[3 FRAGEN AN] Massimo, Rettungsteammitglied an Bord der Ocean Viking

Massimo, Mitglied des Such- und Rettungsteams von SOS MEDITERRANEE, hat Weihnachten und Neujahr auf der Ocean Viking verbracht, um auch in dieser Zeit die Suche nach Booten in Seenot im zentralen Mittelmeer fortzusetzen. Wir haben ihn nach seinen Wünschen für 2020 gefragt.

  1. Kannst du dich und deine Position an Bord der Ocean Viking kurz vorstellen?
    Mein Name ist Massimo, ich bin Italiener und komme aus Venedig. Ich war im Mai 2018 an Bord der Aquarius und kam für einen zweiten Einsatz mit SOS MEDITERRANEE für die fünfte Rotation* der Ocean Viking zurück. Diesmal gehöre ich zum Team an Deck: Beim Beginn einer Rettung, helfe ich zunächst dem sogenannten „deck leader“** bei der Vorbereitung aller Mittel, die möglicherweise während des Einsatzes benötigt werden. Meistens sorge ich dafür, dass die Elemente, die gleichzeitig viele Menschen über Wasser halten können – wie Rettungsbananen, Flöße oder zusätzliche Rettungswesten – den Teams, die auf See im Einsatz sind, schnellstmöglich zur Verfügung gestellt werden. Außerdem stehe ich hauptsächlich an der Anlegestelle der Ocean Viking, um dort der Crew beim Einstieg in die schnellen Rettungsboote zu helfen sowie, um die geretteten Menschen an Bord zu begrüßen.
  2. Was sind deine Wünsche für das Jahr 2020?
    Mein inniger Wunsch ist es, dass sich die Situation in den Herkunftsländern und in Libyen so weit verbessert, dass die Menschen, die diesen Gegebenheiten entfliehen, nicht mehr unter solch verzweifelten Bedingungen migrieren müssen. Leider sehe ich das nicht, zumindest nicht in den kommenden Monaten oder im kommenden Jahr. Vielmehr ist es erschreckend zu sehen, dass sich immer mehr Länder in den libyschen Krieg einmischen. Während ich also darauf warte, dass die Welt zu einem besseren Ort für alle wird, wünsche ich mir, dass ich an Bord der Ocean Viking weiterarbeiten kann, solange unsere Präsenz im zentralen Mittelmeer nötig ist. Nach 12 Jahren auf einem Handelsschiff ist das die beste Mission, die ich je erfüllt habe.
  3. Was ist deine Botschaft an die Unterstützer*innen von SOS MEDITERRANEE?
    Ich möchte allen unseren Unterstützer*innen sagen, dass wir ihnen für ihr Engagement sehr dankbar sind. Ohne sie wäre unser Einsatz nicht möglich; nichts von dem, was wir tun, würde existieren. Meine Hauptbotschaft wäre also ein großes Dankeschön. Und ich möchte auch hinzufügen, wie wichtig es für uns ist, dass sie uns so lange sie können weiter unterstützen. Leider sieht es so aus, als ob wir auch in diesem Jahr in dieser Region der Welt sehr stark gebraucht werden. Dabei können wir alle zusammen die Welt ein wenig (zum Guten) verändern.

* eine Rotation umfasst den gesamten Zeitraum zwischen zwei regulären Hafenaufenthalten bei denen Treibstoff und Vorräte an Bord gebracht werden sowie Teile der Crew wechseln
**ein „deck leader“ ist für die Wartung der gesamten Decksausrüstung (wie Seile, Karabiner, Rollen etc.) verantwortlich. Während einer Rettung ist er/sie zusammen mit den anderen Besatzungsmitgliedern an Deck für die Bereitstellung von Rettungsmitteln (Schwimmwesten, Bananen, Flöße) verantwortlich. Alles, was die Besatzung auf den Rettungsbooten benötigt, wird so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt. Er/sie koordiniert auch das Aussetzen weiterer RHIBs, falls dies während einer Rettung erforderlich ist.

Photo credits: Laurence Bondard / SOS MEDITERRANEE