Abschied von den Geretteten

Aktueller Einsatzzyklus seit 11. Januar 2021: 373 Gerettete in Augusta, Sizilen, von Bord gegangen

Zusammenfassung

Nach fünf Monaten Festsetzung nahm die Ocean Viking am 11. Januar 2021 Kurs auf das zentrale Mittelmeer. Zuvor gingen in Marseille die Rettungscrew, das medizinische Team, die maritime Schiffsbesatzung sowie zwei Journalist*innen nach zehntägiger Quarantäne und durchweg negativen Corona-Tests unter strengen COVID-19-Schutzmaßnahmen an Bord.

Wir sind froh, unseren dringend notwendigen Einsatz, Menschen aus Seenot zu retten, wieder aufnehmen zu können. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) haben 2020 fast 1.000 Menschen ihr Leben im zentralen Mittelmeer verloren oder gelten als vermisst – Dunkelziffer unbekannt. Zeitgleich sind immer noch fünf zivile Rettungsschiffe aus administrativen Gründen festgesetzt.

Beim ersten Einsatz, am 21. Januar 2021, können unsere Teams 119 Kinder, Frauen und Männer aus einem überbesetzten Holzboot bergen und sicher an Bord der Ocean Viking bringen. Weitere 255 Menschen können in drei Einsätzen am darauffolgenden Tag, dem 22. Januar 2021, gerettet werden.

Am 23. Januar muss eine schwangere Frau aus medizinischen Gründen notevakuiert werden.
Das Wetter wird zunehmend schlechter. Viele der verbleibenden 373 Geretteten sind seekrank.
Am Abend des 24. Januar wird der Ocean Viking Augusta, Sizilien, als sicherer Hafen zugewiesen.

Chronologie

11. Januar 2021: Die Ocean Viking nimmt von Marseille Kurs auf das zentrale Mittelmeer

14. Januar 2021: Zur Durchführung notwendiger Reparaturen an einem unserer Rettungsboote, nimmt die Ocean Viking Kurs auf Olbia, Sardinien.

20. Januar 2021: Auf dem Weg zu einem Boot in Seenot, erhalten unsere Teams vom Aufklärungsflugzeug Colibri die Nachricht, dass das Boot bereits von der libyschen Küstenwache abgefangen wurde. Wieder eine erzwungene Rückführung nach Libyen, welches laut Seerecht kein sicherer Ort ist.

21. Januar 2021: 36 nautische Meilen vor der libyschen Küste können unsere Teams 119 Menschen aus einem gefährlich überbesetzten Schlauchboot retten. Unter den sichtlich aufgewühlten und erschöpften Menschen befanden sich auch vier Kleinkinder – das jüngste ist gerade mal vier Wochen alt.

22. Januar 2021: Bei Tagesanbruch werden bei weiteren Einsätzen 149 Menschen aus zwei Schlauchbooten gerettet. Unter den Geretteten sind zahlreiche Kinder und Frauen.

22. Januar 2021: Am Nachmittag wird von der Brücke der Ocean Viking ein überbesetztes Schlauchboot in Seenot gesichtet. Der Einsatz droht kritisch zu werden, als zwei Menschen über Bord gehen. Sie werden vom Rettungsteam geborgen. Bis Einbruch der Dunkelheit werden 106 Menschen gerettet. Viele der Menschen an Bord des Schlauchbootes hatten starke Vergiftungen durch Treibstoffdämpfe erlitten.

23. Januar 2021: Zwei Anfragen an die libyschen Seebehörden zur Zuweisung eines sicheren Ortes bleiben unbeantwortet. Die hmaltesischen und italienischen Behörden werden um Unterstützung gebeten. Das Wetter wird immer schlechter. Die Geretteten müssen schnellstmöglich an einem sicheren Ort an Land gehen können.

Am frühen Nachmittag wird eine im achten Monat schwangere Frau aus medizinischen Gründen von einem Schiff der italienischen Küstenwache notevakuiert.

24. Januar 2021: Viele der an Bord der Ocean Viking verbleibenden 373 Geretteten sind seekrank und auf See gibt es nirgendwo Schutz vor dem Wetter, Wellengang und Wind.

Am späten Sonntagnachmittag dann Erleichterung: Augusta, Sizilen, wurde der Ocean Viking als sicherer Ort zugewiesen.

25. Januar 2020: Die Ocean Viking erreicht den Hafen von Augusta. An Bord werden alle Geretteten und die Crew mit Schnelltests auf COVID-19 getestet. Alle Testergebnisse waren negativ. Am Abend konnten die ersten 111 Menschen von Bord gehen, während die verbleibenden Geretteten eine weitere Nacht auf der Ocean Viking verbrachten.

26. Januar 2021: Am frühen Nachmittag gehen alle Geretteten von Bord – ein emotionaler Abschied.

Weitere Informationen zu unserem Einsatz findet ihr bei Twitter oder auf unserem Online-Logbuch. Über unseren Newsletter erhaltet ihr regelmäßig Neuigkeiten zu unserer lebensrettenden Arbeit im zentralen Mittelmeer.

Photo credits: Fabian Mondl / SOS MEDITERRANEE & Julia Schaefermeyer / SOS MEDITERRANEE