Die Freiwilligengruppe Berlin stellt vor: Podcast – Save our Souls

Antonia, Tobias, Nauar und Rafael sind für SOS MEDITERRANEE in der Freiwilligengruppe Berlin aktiv. Im folgenden Interview berichten sie von ihrem Engagement und stellen den von ihnen ins Leben gerufenen Podcast „Save our Souls“ vor. Stay tuned! Ab Oktober erscheint alle zwei Monate eine Folge. Reinhören könnt ihr schon jetzt am Ende des Interviews.

Antonia, Tobias, Nauar und Rafael, danke, dass ihr hier seid! Bitte stellt doch euch und euer Engagement für SOS MEDITERRANEE sowie insbesondere den Podcast kurz vor.

„Save Our Souls“ ist der Podcast, den wir gemeinsam während der vergangenen Monate auf die Beine gestellt haben. Wir vier sind freiwillige Helfer*Innen, die in Berlin für SOS MED engagiert tätig sind. Antonia, Rafael, Nauar und Tobias haben den Podcast "Save Our Souls" ins Leben gerufen

Seit ungefähr zwei Jahren unterstützt uns Antonia, die zwischendurch kurz in Italien auf dem Gebiet der Flüchtlingshilfe arbeitete. Sie hat außerdem einmal die Crew und das Schiff der Ocean Viking treffen können. Sie bringt neben viel theoretisch-akademischem Wissen den Wunsch mit, die eigene, wie sie sagt, privilegierte Situation kritisch zu reflektieren.

Seit circa einem Jahr engagiert sich Nauar bei SOS MED. Daneben arbeitet er in der Berliner Obdachlosenhilfe und in der Flüchtlingshilfe. Damit bringt er ein wertvolles, praktisches Wissen bei uns ein, das gemeinsam mit seinen technischen Fähigkeiten, einen Podcast zu bearbeiten, äußerst hilfreich für dieses Projekt ist.

Tobias ist seit zwei Jahren in der Freiwilligengruppe aktiv und hat die Anfänge der Freiwilligenstruktur von Anfang miterlebt- und gestaltet. Er arbeitet hauptberuflich bei Mare Liberum und weist damit neben seinem akademischen Wissen viele, wichtige Kenntnisse über die Situation im Mittelmehr auf.

Seit dem Sommer 2019 engagiert sich Rafael bei SOS MED, was die für ihn erste ehrenamtliche Tätigkeit in einer größeren Gruppe von Menschen darstellt. Nach seinem Studium, in dem er sich auch wissenschaftlich-historisch mit den Themen Flucht, Vertreibung auseinandergesetzt hat, übt er zurzeit ein Praktikum im Archiv des Schwulen Museums Berlin aus.

Um einen weiteren Eindruck davon zu erhalten, was wir im Einzelnen machen, sollte noch erwähnt werden, dass wir – mit den anderen Freiwilligen zusammen – in den vergangenen sechs Monaten die Freiwilligenstruktur in Berlin ausdifferenziert und spezialisiert haben. Es gibt nun Arbeitsgemeinschaften, die sich konkret mit Schwerpunktthemen der Vernetzung, Bildungsarbeit, Veranstaltungen, Onboarding und Vorträge beschäftigen. Dazu kommen aber auch Teilprojekte, wie beispielsweise dieser Podcast oder eine Veranstaltungsreihe, die monatlich stattfindet und in eine Soliparty münden wird. In all diesen AGs und Projekten sind wir, die diesen Podcast machen, in unterschiedlicher Weise aktiv und tragen das wichtige Thema der Seenotrettung nach außen.

Wir sind gespannt auf den Podcast. Was wird Zuhörer*innen erwarten?

Mit diesem Podcast möchten wir den Zuhörer*Innen Einblicke, Perspektiven, Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf das komplexe Thema der Seenotrettung bzw. der Situation von Geflüchteten/ Migrant*Innen im Mittelmeer aufzeigen. Dazu gehören auch das Darlegen der Arbeit von SOS MED, das Informieren über die Geschehnisse im Mittelmeer, die Behandlung der rechtlichen sowie historischen Grundlagen der Seenotrettung, das Aufzeigen der zunehmenden Blockade der Seenotrettung, die Reflektion des gesellschaftlichen Diskurs sowie das Berichten über die eigentlichen Lebenshorizonte jener, die über das Mittelmeer fliehen/migrieren.

Wir wollen allerdings nicht nur informieren, sondern zugleich uns, unsere Arbeit und unser Wirken reflektieren – am besten mit den Zuhörer*innen, die überdies herzlichst eingeladen sind, durch diesen Podcast zum Handeln bewegt zu werden. Uns ist zudem wichtig, die eigenen Privilegien zu hinterfragen und dazu gehört auch das Bewusstsein, dass Menschen, die über das Mittelmeer fliehen, auch von Mehrfachdiskriminierungen betroffen sein können. Dieses Bewusstsein für intersektionale Zugänge zu dieser komplexen Thematik möchten wir ebenfalls in den Podcast einfließen lassen. Informieren, reflektieren und empowern – gemeinsam aufklären, ins Gespräch kommen und über die großen Zusammenhänge nachdenken: das ist „Save Our Souls“. #togetherforrescue

Zum Abschluss: Warum habt ihr euch gerade für die Form eines Podcasts entschieden?

Im Zuge der COVID-19-Pandemie zeigte sich nicht zuletzt erneut für uns, dass wir als Freiwillige auch online stärker und anders präsent sein könnten. Daneben haben wir in unterschiedlichem Maße selbst Erfahrungen mit dem Produzieren von oder dem Miterleben von Podcasts gemacht. Es war demnach nur die Gründung einer Gruppe von Menschen, die Lust hatten, auf diesem Wege die Menschen zu erreichen, was es brauchte, damit „Save Our Souls“ entstehen konnte.

Darüber hinaus erhoffen wir uns von diesem Format, dass wir die Zuhörer*Innen nicht nur durch die darzulegenden Informationen erreichen, sondern dass sie das Gehörte weitertragen und damit andere Menschen erreichen. Die Situation auf dem Mittelmeer, so erhoffen wir uns, soll dabei kritisch hinterfragt werden – dazu gehört auch, wie die Medien über dieses Thema berichten. Die komplexe Situation im Mittelmeer soll nicht nur als Problem, sondern als Chance gesehen werden, aktuelle Ereignisse nicht nur vom negativen Standpunkt her zu betrachten. Für uns ist es wichtig, dass wir unsere eigene, privilegierte Situation hinterfragen und wir laden die Zuhörer*Innen dazu ein, dies gemeinsam mit uns zu machen. Und zwar dies in einem Raum, der sicher ist und den „Save Our Souls“ darstellen möchte. Kurz gesagt: informieren, empathisch sein, empowern und sich gemeinsam zum Handeln zu bewegen – all dies erhoffen wir uns von diesem Podcast.

Danke euch für das Gespräch und natürlich die ganze Arbeit die hinter so einem Projekt steckt!

Die erste Folge erscheint im Oktober. Die Vorstellung ist schon jetzt online und kann hier angehört werden:

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Photo credits: Titelbild – Kenny Karpov / SOS MEDITERRANEE; Gruppenbild – Fritzi Schwarzbauer