Jetzt auf dem Mittelmeer

Auf der Mittelmeer-Route
zwischen Libyen und Sizilien

Die Flucht über das Meer ist immer gefährlich! Bei hohem Seegang droht das Auseinanderbrechen des Bootes, bei Sonnenschein besteht die Gefahr der Dehydrierung und auch spiegelglattes Wasser kann töten, wenn man zu lange darin treibt. Die folgende Seite beschreibt die Gefahren, denen Menschen auf der Flucht ausgesetzt sind. Denn was im Mittelmeer passiert, geht uns alle an.

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Weltweit sind über 70 Millionen Menschen auf der Flucht (UNHCR).

Sie fliehen vor Gewalt, Krieg und wirtschaftlicher Not aus ihren Heimatländern.

„Von Migrant*innen beobachtete Todesursachen in Libyen“ erhoben von North Africa Mixed Migration Hub

Situation in Libyen - Die zentrale Mittelmeerroute

Die Menschen, die SOS MEDITERRANEE vor dem Ertrinken rettet, waren vorher längere Zeit in Libyen. Dort sind sie Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Zwangsarbeit und sexueller Gewalt, geworden.

Quelle: u.a. Ärzte ohne Grenzen

Risiken für Migrant*innen und Flüchtende in Libyen

Die Grafiken beruhen auf Daten, die in Interviews mit Migrant*innen zwischen März 2016 und Januar 2017 in Italien erhoben wurden. Die Interviewten haben die Situationen selbst erlebt oder waren Zeugen der angegebenen Situation.
Quelle: North Africa Migration Hub

84%
Körperliche Misshandlung
71%
Gefangenschaft
64%
Diskriminierung, Rassismus
63%
Tod
61%
Raubüberfälle
56%
Sexueller Missbrauch
54%
Zwangsarbeit
45%
Menschenhandel
34%
Zerstörung von Reisedokumenten

In eigenen Worten

„Das Leben in Libyen ist kein Leben. Alle wenden sich zum Meer, das ist die einzige Möglichkeit zu leben.“

Flucht über das Mittelmeer

Die Fluchtroute zwischen Libyen und Italien ist die tödlichste der Welt.

Als Reaktion auf das Sterben im Mittelmeer setzt Italien 2013 das Seenotrettungsprogramm Mare Nostrum in Kraft. 2014 wird es aufgrund fehlender Unterstützung der anderen europäischen Staaten eingstellt.

Um die fehlenden Rettungskapazitäten auszugleichen, nehmen zivile Organisationen wie SOS MEDITERRANEE ihre Einsätze im Mittelmeer auf.

Programming and visualization by Moriz Büsing, Leaflet | Map tiles by Stamen Design, CC BY 3.0 — Map data © OpenStreetMap

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ÜBERBESETZTE BOOTE

Viele Menschen haben keine andere Wahl, als die Flucht über das Mittelmeer zu wagen.

Die Bedingungen sind lebensgefährlich.

Die Schlauchboote sind für 30 bis 60 Personen ausgelegt. Oft sind sie jedoch mit weit mehr als 100 Personen haltlos überbesetzt.

Auf den Booten bleibt kein Platz für ausreichend Treibstoff, Nahrung und vor allem kein Platz für Rettungswesten. Nur wenige Zentimeter Plastik trennen die Menschen vom Wasser – die meisten können nicht schwimmen.

Quelle: „A perfect storm“ – Bericht von Amnesty International 2017

Ausgelegt für 60 Personen
158 Personen an Bord
Keine bzw. unzureichende
Wasserversorgung
Keine ärztliche Versorgung
bei Verletzungen
Keine Schwimmhilfe
für Nichtschwimmer

GEFAHREN AUF DEM MEER

Sobald diese Boote in See stechen, befinden sie sich de facto in Seenot.

Laut UNHCR ertrinkt einer von zehn Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer.

Auf dem Meer sind die Menschen zahlreichen Risiken ausgesetzt.

Quelle: „Lives adrift“ – Bericht von Amnesty International 2014

Wenn sie keine Hilfe erhalten und in ihrer Situation nicht gerettet werden, sterben sie!

Quelle: „Desperate Journeys“ – Bericht vom UNHCR 2018

Holzboot
Schlauchboot

FEHLENDE RETTUNGSKAPAZITÄTEN

Bis heute hat die Europäische Union keine menschliche Antwort auf das Sterben im Mittelmeer gefunden.

Zivile Rettungsorganisationen versuchen der Untätigkeit der EU etwas entgegen zu setzen.

Sie werden jedoch zunehmend daran gehindert, ihre lebensrettenden Einsätze fortzuführen.

Quelle: „Criminalisation of Civil Society SAR-Activities in the Mediterranean“ – Bericht von Human Rights At Sea 2019

Damit wird die Flucht über das Mittelmeer noch gefährlicher. Das heißt im Umkehrschluss: ausreichende Rettungskapazitäten minimieren die Risiken für Menschen, die auf der Suche nach Schutz und Sicherheit aus Libyen fliehen.

Quelle:  „Blaming the Rescuers“ – wissenschaftliche Studie von Heller / Pezzani 2017

2015

Ankünfte*
153.842
Zahl der Toten
2.913
Sterblichkeitsrate
Ein Tod pro 53 Ankünfte

2016

Ankünfte*
181.436
Zahl der Toten
4.578
Sterblichkeitsrate
Ein Tod pro
41 Ankünfte

2017

Ankünfte*
119.369
Zahl der Toten
2.873
Sterblichkeitsrate
Ein Tod pro
43 Ankünfte

2018

Ankünfte*
23.370
Zahl der Toten
1311
Sterblichkeitsrate
Ein Tod pro
19 Ankünfte

2019

Ankünfte*
4395
Zahl der Toten
426** (Stand 10.07.19)
Sterblichkeitsrate
Ein Tod pro 11 Ankünfte

Quelle: Berechnung der Sterblichkeitsrate nach Carling 2007, SOS MEDITERRANEE; basierend auf Erhebungen des UNHCR. Die Zahl der Ankünfte bezieht sich auf das zentrale Mittelmeer. **Die Zahl der Toten für 2019 basiert auf Erhebungen der IOM

Verheerende Folgen

Höhere Todesrate

„Im Jahr 2018 starben schätzungsweise 2.275 Flüchtende und Migrant*innen im Mittelmeer, was durchschnittlich sechs Todesfälle pro Tag bedeutet. (....) Diese Todesfälle ereigneten sich zu einer Zeit, in der NGOs weiteren Einschränkungen ihrer Aktivitäten ausgesetzt und einige gezwungen waren, im Hafen zu bleiben oder längere Zeiträume brauchten um Menschen in Häfen an Land zu bringen (...).“

Quelle: Quelle: „Desperate Journeys“ – Bericht vom UNHCR 2018

„(…) Das Ergebnis deutet eindeutig darauf hin, dass Such und Rettungs - Einsätze (SAR) die Sterblichkeitsrisiken verringern (oder umgekehrt, das Fehlen von SAR führt zu mehr Todesfällen) (…).“

Quelle: „A Contested Crisis: Policy Narratives and Empirical Evidence on Border Deaths in the Mediterranean.“ – wissenschaftliche Studie von Steinhilper, Elias / Gruijters, Rob J.. 2018. In: Sociology 52 (3): 515-533.

Die Flucht wird gefährlicher

Fehlende Rettungskapazitäten, die Schließung der italienischen Häfen im Sommer 2018 und die zunehmende Aktivität der libyschen Küstenwache führen dazu, dass Menschen auf noch gefährlichere und längere Routen ausweichen und teilweise sehr viel mehr Zeit auf See verbringen – ohne ausreichend Nahrung und Trinkwasser.

Quelle: UNHCR-Bericht “Desperate Journeys, January 2018 – December 2018

Die Schließung der italienischen Häfen hat eine abschreckende Wirkung auf Kapitän*innen. Gerettete berichteten, dass Schiffe an ihnen vorbeigefahren wären, ohne zu helfen.

Quelle: UNHCR-Bericht “Desperate Journeys, January 2018 – December 2018

Verzögerungen bei der Anlandung Geretteter in einem sicheren Hafen führen zu weiteren psychischen und physischen Belastungen.

Quelle: Kommentar von SOS MEDITERRANEE, veröffentlicht auf dem Blog von VENRO

Fehlende Zeugen im Mittelmeer

Wenn niemand mehr vor Ort ist, um die Situation im Mittelmeer zu bezeugen, sterben Menschen ungesehen und ungehört. Damit sollen die dramatische Situation und die tödlichen Konsequenzen europäischer Politik unsichtbar gemacht werden.

Quelle: SOS MEDITERRANEE 15.02.2019