Blogbuch #35

Regentage in Catania

Am Montag verließ die Aquarius den Hafen von Catania um 19 Uhr. Es gab viele Wechsel im Team. Das SAR Team von SOS MEDITERRANEE wird durch neue Freiwillige unterstützt, Ärzte Ohne Grenzen hat einiges Personal gewechselt und sogar die Schiffscrew hat ein paar neue Gesichter.

Die AQUARIUS selbst hat auch ein neues Gesicht. Wir haben einen neuen shelter-Bereich auf dem Achterdeck gebaut: ein festes Metallkonstrukt, das mit einer dicken Plane bedeckt wird. Dieser Unterstand kann die geretteten Menschen an Bord der AQUARIUS nun besser schützen. Dies ist notwendig, da wir uns den Herbst- und Wintermonaten nähern. Das Wetter wird sich ändern und die Umstände an Bord während der Rückfahrt zum Hafen damit auch.

Unsere Rettungsboote wurden ebenfalls überholt. Das kleinere, unser RHIB one Schlauchboot, bekam einen neuen Motor. Mehrere Stunden lang hat unser Team am Wochenende den neuen Motor angepasst und getestet.

Nach der sonnigen und heißen Phase hatten wir den ersten Regen seit längerer Zeit. Die letzten Tage in Catania waren regnerisch, was vermutlich eine Vorschau auf die kommenden Wochen im Mittelmeer ist: mehr Wind, mehr Wolken, mehr Regen.

“SOS MEDITERRANEE ist eine junge und sehr effektive Organisation.”, sagt Yohann Muchieri, Koordinator des SAR Teams. “Wir lernen jeden Tag und wir verbessern uns jeden Tag. Wie ihr sehen könnt, ist hier unser neuer shelter-Bereich auf der AQUARIUS, wir haben auch den Sonnenschutz in den letzten Wochen ausgebaut. Aktuell verbessern wir die Ausstattung des Personals, in den nächsten Monaten schaffen wir professionelle Schutzkleidung an”.

Die AQUARIUS ist eine der wenigen Rettungsschiffe in unserem Gebiet, das auch im Herbst und Winter arbeiten kann. Unser Schiff war bereits auf der ganzen Welt unterwegs und sogar in der Antarktis aktiv. Unsere alte Lady AQUARIUS ist auf die Arbeit unter schlechten Wetterbedingungen vorbereitet.

Wir sind nun schon seit 13 Stunden wieder auf See. Alle an Board haben gut geschlafen und sind bereit für die Ankunft im Rettungsbereich nördlich der libyschen Küste am Mittwochmorgen. Die neuen Journalisten an Bord sind gespannt und versuchen sich auf unserem 77 Meter langen Schiff zu orientieren. Ein Team wird einen hochwertigen Film produzieren, der auf verschiedenen Filmfestivals gezeigt werden soll. Das Thema „Flüchtlinge“ wurde von ihnen schon in 15 Ländern bearbeitet.

„Wir sind hier, um viel Filmmaterial zu drehen. Die Produktion kann mit einer Kinofilm-Produktion verglichen werden“, sagt der Kameramann Zhenwei XIE aus China. Er hat bereits einige Zeichnungen von Aufnahmen, die er plant, gemacht. „Wir waren in vielen Ländern und haben mit vielen Flüchtlingen gesprochen. Es gibt bereits mehrere Tausend Minuten Material. Wir haben großes Interesse daran, was im Mittelmeer geschieht und wie SOS MEDITERRANEE und Ärzte Ohne Grenzen dort arbeiten“.

Am ersten Morgen auf See weckt uns die lang vermisste Sonne. Es ist ein klarer sonniger Morgen mit wenig Wolken und kleinen Wellen.

Die Regentage von Catania sind vorbei und die AQUARIUS ist nur noch 150 Meilen vom Rettungsbereich im Norden von Libyen entfernt.

 

Text: René Schulthoff

Photo Credits: Fabian Mondl/ SOS MEDITERRANEE