Blogbuch #45

Sturm und 10 Meter hohe Wellen auf dem Mittelmeer

18.12.16


Der Wunsch des neuen Teams der AQUARIUS die Search and Rescue Zone vor Libyen zu erreichen war groß – aber an diesem Wochenende war die Natur stärker. “Wenn ihr fahren wollt dann fahrt”, sagte Kapitän Alex, “aber die Crew und ich werden an Land bleiben”. Diese Worte machten allen klar, wie die Situation auf dem Mittelmeer in den kommenden Tagen sein würde.

Wetter-, Wind- und Wellenvorhersagen zeigen verschiedene Farben auf dem Bildschirm an. Normalerweise sehen wir blau und grün, manchmal etwas gelb oder orange – es zeigt verschiedene Wind- und Wellenstärken. Violett ist schon ziemlich schlecht, aber dieses Mal zeigte das Programm pures Schwarz an. Nicht gut. “Es wird sehr starker Wind sein, Sturm und bis zu zehn Meter hohe Wellen”, erklärt der SAR Koordinator Yohann. “Das ist zu viel für die AQUARIUS.”

Anders als die Nordsee mit ihren langen Wellen sind die Wellen im Mittelmeer sehr kurz und ein solches Wetter ist eher selten. Aber es kommt vor, wie wir an diesem Wochenende erlebt haben. Kurze Wellen bis zu zehn Metern Höhe wären gefährlich, sie würden unser 77 Meter langes Schiff, immer und immer wieder wie ein großer Hammer treffen. Das einzig Gute an dieser Situation ist, dass es so auch keine Chance für Gummi- oder Holzboote gibt, die libysche Küste zu verlassen.

Die letzte Rotation ist beendet und alle an Bord sind Neuankömmlinge. Nach einigen Tagen sind wir miteinander vertraut. Wir haben mit der allgemeinen Einweisung begonnen, wo ist was an Bord zu finden, wer ist wer. Das neue Search and Rescue Team wird für die kommenden drei Wochen freiwillig arbeiten – Weihnachten und Silvester eingeschlossen.

Derzeit warten wir auf etwas bessere Wetterkonditionen und sind darauf vorbereitet, den Hafen von Catania in den kommenden 48 Stunden zu verlassen, höchstwahrscheinlich diesen Dienstag oder Mittwoch.

Text: René Schulthoff
Übersetzung: Juliane Kraus