Blogbuch

Team der Aquarius: Albert, SAR Crew

Mit 25, stand Albert Mayordomo einer lukrativen Karriere im IT-Bereich nichts im Wege: “Drei Jahre lang arbeitete ich als Programmierer. Mir wurde ein hohes Gehalt angeboten und ein teures Auto. Ich habe den Job aber verlassen, weil ich die Welt sehen wollte.”

Seine erste Leidenschaft war das Klettern, und während einer Reise entdeckte er das Tiefseetauchen für sich. 2007 ließ er sich als Tauchlehrer ausbilden und verbrachte die nächsten acht Jahre damit, diese Kunst in der Karibik und an den Küsten von Thailand und Vietnam zu unterrichten.

“Ich lebte auf einer kleinen Insel in Borneo. Dort managte ich ein vier-Sterne Hotel für Taucher. Direkt daneben war ein kleines, armes Dorf in dem unsere Angestellten lebten. Ich fragte mich: ‘was in aller Welt tue ich hier? Ich arbeite für Menschen die viel Geld haben, und die Leute die für uns arbeiten, haben nichts. Alles klar, ich muss hier weg’” Er arbeitete sechs Monate lang für eine NGO in Nepal, die Kinder in abgelegenen Dörfern eine Schulausbildung gab. Danach kehrte er nach Europa zurück und ließ sich als Höhenarbeiter ausbilden.

“In 2015 fing es so richtig an mit den verstärkten Ankünften von Migranten in Griechenland. Ein guter Freund von mir, ein Rettungsschwimmer, entschloss sich zu helfen und ich ging mit ihm. Es kamen nicht mehr so viele Boote wie zuvor an, aber ich bekam die Chance drei Wochen lang an seinem Training teilzunehmen. Ich verließ Griechenland, um an Bord der Aquarius mitzuhelfen.”

“Die erste Rettung war extrem. Mein Job ist es mit dem ersten Boot rauszufahren und den ersten Kontakt zu den Migranten zu knüpfen. Eigentlich bin ich eine recht nervöse Person, aber ich war überraschenderweise sehr ruhig. In dem Moment, als ich auf der Rampe stand, hatte ich das Gefühl, dass mein gesamtes Leben auf einmal Sinn macht.”

Alberts tiefliegender Sinn für Menschenrechte zieht sich durch seine gesamte Arbeit, “Es ist ganz einfach. Niemand verdient es im Meer zu sterben. Diese Migranten sind durch kriegszerstörte Länder gezogen, sie sind Rebellen entkommen und wir lassen sie nach alldem einfach ertrinken? Das ist schrecklich. Es ist utopisch, aber meine Hoffnung ist, dass eines Tages all diese Kriege ein Ende finden und die Menschen realisieren, dass wir auf dieser Erde sind, um einander zu helfen.”

 

Portrait Albert

Protokoll: Ruby Pratka
Übersetzung: Lea Main-Klingst
Foto: Yann Merlin / SOS MEDITERRANEE