Nach Rettungseinsatz im Mittelmeer: Aquarius erhält Anweisung nach Italien zu segeln, anstatt weiter nach Flüchtenden in Seenot zu suchen

Pressemitteilung                                                                                                                         Berlin, 13.05.2018

 

Das von SOS MEDITERRANEE gecharterte und in Partnerschaft mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) betriebene Rettungsschiff Aquarius hat am Samstag, den 12. Mai, 73 Menschen aus einem überfüllten Schlauchboot in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste gerettet. Trotz der Bereitschaft, seine Such- und Rettungsaktivitäten fortzusetzen, und während günstige Wetterbedingungen die Wahrscheinlichkeit weiterer Überfahrten erhöhte, wiesen die italienischen Behörden die Aquarius am Samstagabend an, unverzüglich nach Italien zu fahren. Die Aquarius wird am Montag, den 14. Mai, die 73 Überlebenden in den Hafen von Messina auf Sizilien bringen.

Rettung eines sinkenden Schlauchbootes

Am Samstag, den 10. Mai, befand sich die Aquarius in internationalen Gewässern nördlich von Libyen, nachdem sie zuvor 105 Überlebende nach Sizilien gebracht hatte. Um 8:00 Uhr erhielt das Schiff einen Notruf zu einem in Seenot geratenen Boot. Ein Mitglied des Rettungsteams von SOS MEDITERRANEE entdeckte das Schlauchboot kurz darauf durch das Fernglas. 73 Menschen konnte das Team der Aquarius bergen. Das Schlauchboot war bereits am Sinken. Die Rettung erfolgte in Koordination mit der italienischen Seenotleitstelle (IMRCC) in internationalen Gewässern nördlich von Zuwara.

Während der Rettung waren zwei kleine Fischerboote vor Ort. Obwohl sie die Rettung nicht behinderten, wurden die humanitären Helfer*innen Zeuge, wie die Personen auf den Fischerbooten nach Abschluss des Rettungseinsatzes den Motor und das Benzin aus dem Schlauchboot entwendeten.

Unter den 73 Überlebenden befinden sich 61 Männer, 12 Frauen – darunter zwei Schwangere – und 12 Minderjährige, von denen sieben ohne die Begleitung eines Angehörigen sind.

„Wir sind fast untergegangen“

Als wir [auf dem Meer] waren, dachte ich, mein Leben [wäre] vorbei … Wir sind fast untergegangen noch bevor die Rettung kam. Sie kam genau zur richtigen Zeit und niemand ist gestorben“, sagte ein junger nigerianischer Überlebender, der eigenen Angaben zufolge elf Monate in Libyen verbracht hat.

Weniger Such- und Rettungskapazitäten nach der Anweisung für die Aquarius, nach Italien zu segeln

Obwohl die Aquarius mehrmals angeboten hatte, weiter vor der libyschen Küste nach möglichen Booten in Seenot zu suchen, erhielt sie am Samstagabend von der italienischen Seenotleitstelle – welche die Rettungseinsätze bis zur Ankunft der Geretteten in einem sicheren Hafen koordiniert – die Anweisung, unverzüglich nach Italien zu segeln, um die 73 geretteten Menschen an Land zu bringen. Angesichts der günstigen Wettervorhersage für Sonntag, den 13. Mai, war das Aquarius-Team besorgt, dass es weitere Überfahrten von der libyschen Küste aus geben könnte und nicht genügend Rettungsschiffe im Einsatz wären. Die Aquarius kann mehr als 500 Überlebende an Bord versorgen.

Die Aquarius wird mit den Geretteten am Montagmittag, den 14. Mai, im Hafen von Messina auf Sizilien erwartet. Dies ist laut Behörden die einzige verfügbare Zeit und Ort, um die geretteten Personen an Land zu bringen. Danach fährt die Aquarius weiter zum Crewwechsel nach Catania. Das Schiff wird dann am Ende der Woche wieder in See stechen, um seinen Rettungseinsatz im Mittelmeer fortzusetzen.

Mit der Bitte um Veröffentlichung. Photo credits: Anthony Jean/ SOS MEDITERRANEE.

Pressekontakt: Jana Ciernioch, SOS MEDITERRANEE Deutschland, j.ciernioch@sosmediterranee.org