90 Menschen werden am 21. November 2019 von unseren Teams aus einem Schlauchboot gerettet

24-Stunden Suche mit dem Fernglas beendet: 90 weitere Menschen aus Seenot gerettet

Berlin, 22.11.2019

Im Folgenden einen Bericht von Nicholas Romaniuk, Such- und Rettungskoordinator von SOS MEDITERRANEE an Bord der Ocean Viking. Das Schiff der internationalen Organisation zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer ist seit August 2019 im zentralen Mittelmeer im Einsatz und wird von ihr zusammen mit Ärzte ohne Grenzen als medizinischem Partner an Bord betrieben. Nicholas Romaniuk beschreibt die letzten Stunden an Bord der Ocean Viking und die gegenwärtige Situation im zentralen Mittelmeer.

„24-Stunden lang hatte unser Team ununterbrochen nach einem Schlauchboot in Seenot gesucht. Schließlich haben wir es von der Brücke aus mit einem Fernglas entdeckt. Der Notfall war zuvor von der Nichtregierungsorganisation Alarm Phone an die libyschen Behörden gemeldet worden, mit der Ocean Viking in Kopie. Die 90 geretteten Menschen sind seit gestern sicher bei uns an Bord. Die Überlebenden berichten, dass das Boot am Dienstagabend von Al Khoms in Libyen ablegte und dann einen östlichen Kurs in das zentrale Mittelmeer nahm. Zum Zeitpunkt der Rettung waren sie in internationalen Gewässern und 82 Seemeilen, das sind 152 km, von der libyschen Küste entfernt. Das ist weit. Wir müssen davon ausgehen, dass alle 90 Menschen an Bord mit ziemlicher Sicherheit gestorben wären, wenn wir mit der Ocean Viking nicht vor Ort gewesen wären, um sie zu retten.

Die Situation im zentralen Mittelmeerraum ist so katastrophal wie noch nie. Eine richtige Koordination von Such- und Rettungseinsätzen fehlt völlig. Der potentielle Tod derjenigen, die über das Mittelmeer fliehen, spielt kaum noch eine Rolle. Das ist nicht nur frustrierend, sondern stellt eine zusätzliche Gefahr für die Menschen auf der Flucht dar. In den letzten Tagen wurde in den sozialen Medien über ein Schiffsunglück und die möglichen tödlichen Folgen berichtet. Gleichzeitig haben unsere Teams drei Rettungseinsätze durchgeführt und dabei 215 Menschen gerettet. Dabei war vor allem die große Distanz zwischen den einzelnen Booten in Not eine große Herausforderung.

Die Ocean Viking nimmt nun Kurs nach Norden, um bei europäischen Seefahrtsbehörden die Zuweisung eines sicheren Ortes anzufordern, an dem die Geretten an Land gehen können. Zuvor hatten die libyschen Behörden Tripolis als sicheren Hafen angegeben. Unter Berufung auf das Völkerrecht, nach dem Libyen nicht als sicherer Ort gelten kann, konnten wir den genannten Hafen nicht anlaufen.“

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