An zwei Tagen mehr als 1.500 Menschen im Mittelmeer gerettet SOS MEDITERRANEE appelliert an europäische Behörden: Jedes einzelne Rettungsschiff wird dringend benötigt

Vor der libyschen Küste wurden am Donnerstag und Freitag insgesamt mehr als 1.500 Menschen von NGO-Schiffen, sowie von der italienischen Küstenwache und Marine vor dem Ertrinken gerettet. Obwohl die Aquarius, ein gemeinsam von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen im Mittelmeer betriebenes humanitäres Rettungsschiff, bis zu 500 Personen an Bord versorgen kann und obwohl die günstigen Wetterbedingungen der letzten Tage die Wahrscheinlichkeit weiterer Überfahrten von Libyen aus erhöhten – wurde sie am Freitagmorgen angewiesen, mit nur 69 Geretteten an Bord nach Sizilien, Italien zurückzukehren. Die Aquarius hatte die Flüchtenden am Donnerstagnachmittag von einem italienischen Marineschiff übernommen. Die Such- und Rettungskapazitäten im Mittelmeer werden dadurch zu einer Zeit reduziert, in der jedes einzelne Schiff dringend gebraucht wurde.

 

69 Flüchtende von einem italienischen Marineschiff übernommen

Am Donnerstagmorgen wurde die Aquarius durch die italienische Seenotstelle (IMRCC) zu einem Schlauchboot vor der libyschen Küste gerufen. Laut der italienischen Seenotleistelle informierte diese auch die libysche Küstenwache über den Seenotfall und dass die Aquarius auf dem Weg zu dem Schlauchboot sei. Diese reagierte jedoch nicht. Unterdessen sichtete das Aufklärungsflugzeug Moonbird das Schlauchboot und informierte das nächstgelegene Schiff, das italienische Marineschiff San Giusto, über die genaue Position. Dieses führte wenig später die Rettung der 69 Flüchtenden durch. Auf Anweisungen der italienischen Seenotleitstelle übernahm die Aquarius die 69 Personen wenig später.

Angesichts der günstigen Wetterbedingungen vor der libyschen Küste blieb die Aquarius zunächst vor Ort, um nach weiteren Booten in Seenot Ausschau zu halten.

Aquarius erhält Anweisung, das Einsatzgebiet zu verlassen, während andere Schiffe am Rande ihrer Kapazitäten sind

Anstatt die anderen Rettungsschiffe bei der Rettung und Versorgung von über 1.500 Menschen östlich von Tripolis zu unterstützen, wurde die Aquarius am Freitagmorgen durch die italienische Seenotleitstelle angewiesen, mit nur 69 Personen an Bord nach Italien zurückzukehren.

Aufgrund der günstigen Wetterbedingungen waren weitere Überfahrten von Libyen aus wahrscheinlich. Die Aquarius-Crew betonte daher mehrmals, dass sie Kapazitäten habe, weiter im Einsatzgebiet vor der libyschen Küste zu patrouillieren und andere Rettungsschiffe bei der Bergung von Schiffbrüchigen unterstützen könne. Ohne Probleme hätte die Aquarius Hunderte weiterer Menschen aufnehmen können. Stattdessen wurde sie angewiesen, das Einsatzgebiet, die sogenannte Such- und Rettungszone, zu verlassen. Gleichzeitig hatten alle anderen NGO-Schiffe ihre maximale Aufnahmekapazität bereits erreicht und wurden dennoch zu weiteren Seenotfällen gerufen.

 

„Jedes einzelne Rettungsschiff wird dringend benötigt“

In den letzten zwei Tagen haben mehr als 1.500 Menschen die gefährliche Überfahrt gewagt, um der Gewalt und Ausbeutung in Libyen zu entkommen. Dies zeigt einmal mehr, dass die Präsenz von gut ausgerüsteten Such- und Rettungsschiffen absolut notwendig ist, wenn wir weitere Todesfälle im Mittelmeer verhindern wollen„, sagte Sophie Beau, Mitbegründerin von SOS MEDITERRANEE und Vizepräsidentin des internationalen SOS MEDITERRANEE-Netzwerkes. „Jedes Rettungsschiff wird da draußen benötigt und jedes Rettungsschiff weniger bedeutet, dass das Leben von Schutzsuchenden in Gefahr gebracht wird. Wir fordern die europäischen Behörden nachdrücklich auf, der Wahrung von Menschenleben Vorrang vor jeder politischen Überlegung einzuräumen.

 

Mit der Bitte um Veröffentlichung.