Humanitäre Arbeit auf dem Mittelmeer beeinträchtigt – SOS MEDITERRANEE rettet dennoch 537 Menschen im Mittelmeer

Pressemitteilung
Berlin, 23.04.2018


Diese Woche im Mittelmeer stand exemplarisch für die veränderte Situation und die zunehmende Komplexität der Rettungseinsätze im Mittelmeer. Mehrmals wurden die Teams der Aquarius, dem gemeinsam von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen betriebenen Rettungsschiff, von der Rettungseinsatzzentrale in Rom (MRCC) über Boote in Seenot informiert. Mehrmals wurde SOS MEDITERRANEE jedoch vom MRCC darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Suche nach den jeweiligen Booten an die libysche Küstenwache übergeben worden war. Teilweise konnte erst sehr spät in Erfahrung gebracht werden, was mit den Booten geschehen war. Die Unsicherheit in der Koordination sowie über das Verbleiben der Boote sowie ihrer Insassen, ist zu einem traurigen Bestandteil der humanitären Arbeit auf dem Mittelmeer geworden.

Zusammenarbeit von zivilen Seenotrettungsorganisationen verhindert Tote im Mittelmeer

Innerhalb weniger Tage haben die Teams der Aquarius in insgesamt drei Einsätzen und in Zusammenarbeit mit Proactiva Open Arms und Sea-Eye 458 Menschen in internationalen Gewässern gerettet. Weitere 79 Menschen wurden von einem Schiff der italienischen Küstenwache an Bord der Aquarius genommen. 537 Männer, Frauen und Kinder sind nun sicher an Bord und befinden sich auf dem Weg in einen sicheren Hafen.

Auch die Geretteten an Bord berichten davon, mehrfach durch die libysche Küstenwache abgefangen worden zu sein. Ein junger Mann aus Nigeria, der am Mittwoch von einem Schlauchboot gerettet wurde, erzählt: „Die libysche Küstenwache hat uns festgesetzt. Manche von uns haben versucht von ihren Booten zu springen, um zu entkommen. Manche sind ertrunken.“ Und fügt hinzu: „Als wir das NGO Rettungsschiff sahen, dachten wir zuerst, es wären die Libyer. Alle hatten Angst, weil sie genau wussten, was das bedeuten würde.“

Neben dem wiederholten Eingreifen der libyschen Küstenwache und dem Wissen, dass in der vergangenen Woche mehrere hundert Menschen zurück in die katastrophalen Bedingungen libyscher Haftlager gebracht wurden, ist die steigende Personenanzahl auf den einzelnen Booten alarmierend:

Zwei der Boote, die wir evakuiert haben, waren definitiv überladen. Bisher wurden 120 bis 140 Menschen auf ein Schlauchboot gepfercht – am Mittwoch waren es 164, darunter viele Frauen und Kinder. Eine einzelne Welle hätte jederzeit den Holzboden im Schlauchboot brechen und zu einer weiteren Tragödie im Mittelmeer führen können“, sagte Nick Romaniuk, Einsatzleiter von SOS MEDITERRANEE.

Die desaströse Qualität der Boote und der Umstand, dass die Anzahl der Bootsinsassen noch weiter steigt, erlaubt weder Zeitverzögerungen noch Unklarheiten in der Koordination. Eine klare und transparente Koordination mit kompetenten maritimen Behörden, die organisierte und effektive Zusammenarbeit mit anderen humanitären Rettungsschiffen sowie europäischen Ressourcen führen zum einzigen akzeptablen Ergebnis: Leben werden gerettet und Menschen in einen sicheren Hafen gebracht.

Mit Bitte um sofortige Veröffentlichung.
Photo Credits: Anthony Jean / SOS MEDITERRANEE

Für Fotomaterial, Interviews und Rückfragen kontaktieren Sie bitte: 
Verena Papke, SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V., v.papke@sosmediterranee.org, +49 163 311 5055