Eine Frau geht mit ihrem Kind von Bord der Ocean Viking

Kurz vor Weihnachten: 159 Menschen gehen nach zwei schwierigen Rettungseinsätzen sicher in Italien an Land

Pressemitteilung
Berlin, 24.12.2019


Die Teams an Bord der Ocean Viking, dem von SOS MEDITERRANEE in Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) betriebenen Rettungsschiff, haben am Freitag, den 20. Dezember, 162 Menschen in zwei schwierigen Einsätzen gerettet. Drei Tage später, am 23. Dezember konnten sie in Tarent, Italien, sicher an Land gehen. Eine Frau musste zusammen mit ihrem anderthalb Jahre alten Kind und ihrer Schwester bereits am 22. Dezember von italienischen Rettungskräften per Helikopter evakuiert werden. „An Heiligabend bin ich sehr erleichtert darüber, dass die geretteten Menschen an Bord der Ocean Viking gestern in Italien an Land gehen konnten und Weihnachten in Sicherheit verbringen“, sagt David Starke, Geschäftsführer von SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V..

Zunächst waren am 20. Dezember 112 Männer, Frauen und Kinder gegen 5 Uhr morgens in völliger Dunkelheit aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet worden. Das Boot war in internationalen Gewässern 34 Seemeilen vor der libyschen Küste in Seenot geraten und von der Brücke der Ocean Viking aus gesichtet worden. Das Schlauchboot hatte bei der Ankunft des SOS MEDITERRANEE – Rettungsteams bereits Luft verloren und die Menschen auf dem Boot waren in Panik.

Kurze Zeit danach informierte das zivile Aufklärungsflugzeug Moonbird die Besatzung der Ocean Viking über einen weiteren Notfall. Nach acht Stunden Suche konnte das in Seenot geratene Holzboot geortet werden. Da sich das Boot in der maltesischen Such- und Rettungszone befand, erfolgte der Einsatz unter Koordination der maltesischen Behörden. Bei schlechtem Wetter und rauer See konnten gegen 23:00 Uhr weitere 50 Menschen sicher an Bord der Ocean Viking gebracht werden.

„Die beiden Rettungen, die wir am letzten Freitag durchgeführt haben, waren extrem schwierig, weil sich das Wetter sehr schnell verschlechterte. Beide Notfälle hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem großen Unglück geführt, wenn unsere Hilfe nur etwas später eingetroffen wäre“, erklärt Nicola Stalla, SOS MEDITERRANEE – Einsatzleiter an Bord der Ocean Viking. „Das Holzboot war kurz davor zu kentern, das Schlauchboot verlor bereits Luft und drohte unterzugehen. Auch unser Team ist von diesen dramatischen Ereignissen und den anstrengenden Einsätzen sichtlich gezeichnet.“

Der geplante Transfer der 50 geretteten Menschen unmittelbar nach der zweiten Rettung von der Ocean Viking auf ein maltesisches Militärschiff musste aufgrund der schlechten Wetterbedingungen verschoben werden. Eine Anfrage, in maltesischen Hoheitsgewässern Schutz vor dem Unwetter zu suchen, um den Transfer zeitnah durchführen zu können, wurde von den maltesischen Behörden nicht genehmigt. Die Besatzung und die geretteten Menschen an Bord der Ocean Viking befürchteten zu diesem Zeitpunkt – und mit Unwettervorhersagen über die Weihnachtsfeiertage – eine erneute Blockade auf See.

Dementsprechend groß war die Erleichterung an Bord, als die italienischen Behörden am Sonntagabend, den 22. Dezember, Tarent als Hafen bekannt gaben, an dem die 159 geretteten Menschen an Land gehen können. „Alle Geretteten haben eine schreckliche Flucht aus Libyen über das Mittelmeer erlebt. In der Nacht auf Montag fuhren wir auf dem Weg nach Tarent durch ein schweres Unwetter mit mehr als 50 Knoten Windstärke. Die raue See war für die geretteten Menschen furchterregend. Es wäre für alle an Bord der Ocean Viking sehr schwierig gewesen, diesem Unwetter noch länger ausgesetzt zu sein“, erklärt Nicola Stalla. „Wir sind froh, dass die geretteten Menschen endlich an einem sicheren Ort an Land gehen dürfen.“

SOS MEDITERRANEE wird den Rettungseinsatz im zentralen Mittelmeer so schnell wie möglich fortsetzen. Die Teams an Bord der Ocean Viking bereiten sich darauf vor, Weihnachten auf See zu verbringen. Dort werden sie dringend gebraucht. Denn auch im Winter fliehen Menschen vor den unhaltbaren Zuständen in Libyen.

Pressekontakt:
Jana Ciernioch, SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V., presse@sosmediterranee.org 

Photo credits: Laurence Bondard / SOS MEDITERRANEE