Nach mehr als 36 Stunden in Warteposition: Aquarius wird angewiesen nach Spanien zu fahren: 629 im Mittelmeer gerettete Menschen werden in Valencia von Bord gehen

Pressemitteilung                                                                                             Berlin, 12.06.2018

Nach mehr als 36 Stunden in Warteposition zwischen Italien und Malta hat das humanitäre Rettungsschiff von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen (MSF) in der Nacht von Montag auf Dienstag (12. Juni) von den italienischen Behörden die offizielle Anweisung erhalten, in den Hafen von Valencia, Spanien, zu fahren. Die am Samstag, 09. Juni 2018, vor der Küste Libyens geretteten 629 Menschen sollen dort an Land gehen. Für die Strecke von 760 Seemeilen, umgerechnet mehr als 1.500 Kilometern, wird die Aquarius circa drei Tage benötigen.

Die Aquarius hatte die zuständigen Behörden wiederholt darauf hingewiesen, dass es nicht sicher ist, den langen Weg nach Spanien mit über 600 Menschen an Bord zurückzulegen. Daraufhin werden derzeit mehr als die Hälfte der 629 Geretteten an zwei italienische Schiffe übergeben, die dann gemeinsam mit der Aquarius den Hafen von Valencia ansteuern werden.

SOS MEDITERRANEE hat die Behörden unaufhörlich über die schlechter werdende, sanitäre Situation an Bord aufmerksam gemacht, zudem gingen gestern die Essensvorräte zuneige. Daraufhin wurde Montagabend ein maltesisches Schiff und Dienstagmorgen ein italienisches Marineschiff zur Aquarius geschickt, um die über 600 Menschen mit zusätzlichen Vorräten zu versorgen. Ein Hafen in Italien oder Malta, der in wenigen Stunden erreichbar gewesen wäre, wurde der Aquarius jedoch nicht zur Verfügung gestellt. Die sich vermutlich verschlechternden Wetterbedingungen auf dem Weg nach Spanien werden eine weitere Herausforderung darstellen.

Obwohl dies weit von einer vernünftigen Lösung für die geretteten Menschen entfernt ist, sind wir erst einmal erleichtert, dass die 629 Männer, Frauen und Kinder an einem sicheren Ort in Spanien von Bord gehen können“, sagte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V. „Wir sind müde und der Einsatz ist noch lange nicht vorbei. Wir müssen mindestens weitere drei Tage fahren, um die Bootsflüchtlinge in einen sicheren Hafen zu bringen. Zugleich fliehen Menschen immer noch aus Libyen und unsere Aquarius kann nicht mehr in der Rettungszone im Mittelmeer sein, wo die Rettungskapazitäten ohnehin völlig unzureichend sind. In den letzten Tagen haben wir gesehen, dass sich Menschen in ganz Europa und sogar Städte und Länder mobilisieren – die Situation im Mittelmeer muss aber auch für die europäischen Staaten ganz oben auf der Agenda stehen. Wieder einmal fordert SOS MEDITERRANEE Europa auf, die Sicherheit und den Schutz von Menschen vor politische Überlegungen zu stellen. Es wird Zeit, dass wir gehört werden“.

Mit der Bitte um Veröffentlichung.

Für mehr Einzelheiten über die Umstände der Rettung dieser 629 Menschen können Sie sich auf unsere vorherige Pressemitteilung vom 11. Juni 2018 beziehen.

Photo credits: Kenny Karpov / SOS MEDITERRANEE.

Pressekontakt:
Jana Ciernioch, SOS MEDITERRANEE Deutschland, j.ciernioch@sosmediterranee.org, +49 173 4071721