Rettungsschiff im Mittelmeer aufgehalten: Aquarius sitzt mit 629 Überlebenden an Bord zwischen Malta und Italien fest

Derzeit werden die Teams von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen (MSF), die gemeinsam das humanitäre Rettungsschiff Aquarius im Mittelmeer vor der libyschen Küste betreiben zwischen Italien und Malta aufgehalten. Die Aquarius wartet auf finale Anweisungen für einen sicheren Hafen („Port of Safety“) für die 629 Überlebenden, die zwischen Samstag und Sonntag an Bord genommen wurden. Informationen, wonach die Aquarius in einen spanischen einlaufen kann, sind derzeit nicht bestätigt.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag führte die Aquarius innerhalb von neun Stunden sechs Rettungseinsätze und Transfers durch – alle unter Koordination der italienischen Seenotleitstelle (IMRCC) in Rom. Unter extrem schwierigen Bedingungen und in Zusammenarbeit mit den anderen Akteuren vor Ort, wurden 629 Leben gerettet. Einige Stunden nachdem die Aquarius die Anweisung erhalten hatte, einen sicheren Hafen anzufahren, wurden Medienberichte laut, in denen von einer „Schließung“ der italienischen Häfen die Rede war. Aktuell wartet die Aquarius seit zwei Tagen mit über 600 Menschen auf weitere Anweisungen der Behörden.

Die Aquarius war das einzige humanitäre Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer an diesem Wochenende

Die Aquarius ist Freitagnacht nach ihrem regulären Aufenthalt in Catania (Sizilien) in die Such- und Rettungszone zurückgekehrt. Sie war letztes Wochenende das einzige zivile Rettungsschiff im Mittelmeer.

Einen Tag später, am Samstag, 9. Juni, wurde die Aquarius von der italienischen Seenotleitstelle (IMRCC) zunächst zu mehreren Seenotfällen gerufen worden, hatte dann aber die Anweisung erhalten, den Kurs zu ändern und stattdessen von drei Schiffen der italienischen Küstenwache 280 Überlebende zu übernehmen. Die Menschen waren von zuvor von der italienischen Küstenwache und Handelsschiffen gerettet worden.

Sechs Rettungseinsätze zwischen Samstag und Sonntag

Zusätzlich wurde die Aquarius am Nachmittag zu zwei Booten in Seenot gerufen. Mehr als 120 Menschen mussten parallel von zwei Schlauchbooten geborgen werden. Die italienische Seenotleitstelle hatte die Fälle gemeldet. Inmitten des Einsatzes und bereits im Dunkeln verlor eines der beiden Schlauchboote an Luft und Dutzende Menschen fielen ins Wasser. Unter schwierigen Bedingungen schaffte es das SOS MEDITERRANEE-Rettungsteam, 229 Menschen zu retten und sie sicher zurück zur Aquarius zu bringen.

In drei weiteren Transfers wurden von drei Schiffen der italienischen Küstenwache (Küstenwachenschiffe CP 312, CP 319, CP 267) und dem Handelsschiff MV Jolly Vanadio insgesamt 400 Überlebende an die Aquarius übergeben.

„Die Überlebenden sind viele Stunden auf See getrieben“

Trotz einer sehr kritischen Rettung haben wir glücklicherweise zurzeit keine medizinischen Notfälle“, sagte David Beversluis, MSF-Arzt an Bord der Aquarius. „Als das Schlauchboot kaputtging, fiel ein Mann direkt vor den Augen der Retter*innen ins Wasser. Glücklicherweise bekamen sie ihn zu fassen und konnten ihn wiederbeleben. Er ist nun außer Lebensgefahr. Die Überlebenden sind erschöpft und dehydriert, da sie in den Schlauchbooten viele Stunden auf dem Meer getrieben waren. Viele haben Hautverbrennungen durch die Mischung aus Benzin und Meerwasser. Jetzt, nachdem wir einige Gespräche mit den Geretteten an Bord geführt haben, wissen wir, dass diese Männer und Frauen während ihres Aufenthalts in Libyen gar keinen oder nur äußerst eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung hatten.“

Gestrandet zwischen Malta und Italien wartet die Aquarius auf Anweisungen der Behörden

Nach vielen Stunden Rettungseinsatz, koordiniert durch die italienische Seenotleitstelle und unterstützt durch einen Helikopter und ein italienisches Marineschiff (San Giusto), haben 629 Menschen sicher an Bord der Aquarius Platz gefunden. Unter ihnen befinden sich 123 unbegleitete Minderjährige und sieben schwangere Frauen. Fast ein Viertel der Überlebenden kommt aus dem Sudan.

Am Sonntagmorgen hat die Aquarius in Erwartung eines sicheren Hafens Kurs in Richtung Norden genommen, um die 629 Überlebenden sicher an Land zu bringen. Als sie auf Anweisung des IMRCC nach Norden fuhr, kam es in den Medien zu widersprüchlichen Informationen, wobei das IMRCC angeblich forderte, dass die maltesischen Behörden einen Hafen für die Aquarius bereitstellen. Offizielle Informationen wurden allerdings weder von den maltesischen, noch von den italienischen Behörden an Aquarius übermittelt. Am Sonntagabend, den 10. Juni, wurde die Aquarius auf Anweisung der italienischen Seenotleitstelle 35 Seemeilen vor Italien und 27 Seemeilen von Malta entfernt gestoppt.

Sophie Beau, Vize-Präsidentin von SOS MEDITERRANEEs internationalem Netzwerk, sagte: „Die Aquarius ist zurzeit auf Stand-by in internationalen Gewässern zwischen Malta und Italien und wartet auf Anweisungen für einen sicheren Hafen, der durch die zuständigen Seebehörden zugewiesen wird. Dies ist eine neue und beunruhigende Situation, die nicht weiter herausgezögert werden darf, denn mit 629 Menschen an Bord, sind wir bereits weit über unserer maximalen Aufnahmekapazität. Die Sicherheit und Versorgung der Überlebenden kann nicht viel länger sichergestellt werden. Wir können uns nicht vorstellen, dass politische Bedenken über die humanitäre Situation dieser Hunderten von Menschen, die eben erst vor dem Ertrinken gerettet wurden, entscheiden. Nur ein paar Stunden nachdem sie die Hölle Libyens verlassen haben.“

 Mit der Bitte um Veröffentlichung.