SOS MEDITERRANEE beobachtet, wie Geflüchtete auf dem Mittelmeer zurück nach Libyen geschleppt werden. Die Organisation selbst nimmt 450 Gerettete an Bord ihres Rettungsschiffes Aquarius.

Unter Beobachtung von SOS MEDITERRANEE wurde am Freitag in internationalen Gewässern 35 Seemeilen vor der libyschen Küste ein in Seenot geratenes Schlauchboot von einem Schiff, das als libysche Küstenwache gekennzeichnet war, nach Libyen zurückgeschleppt.  Das Schlauchboot war zuvor von einem Flugzeug der Militäroperation Sophia gesichtet und identifiziert worden. Ein irisches Militärschiff, ebenfalls Teil der Operation Sophia, war ebenfalls während des Einsatzes anwesend. Das Angebot von SOS MEDITERRANEE, die Rettung zu übernehmen, wurde von der libyschen Küstenwache abgelehnt. Die libysche Küstenwache übernahm damit die die Koordination des Einsatzes und rief SOS MEDITERRANEE auf, sich aus dem Gebiet zu entfernen.

Einen Tag später rettete SOS MEDITERRANEE unter erschwerten winterlichen Wetterbedingungen 115 Menschen von einem in Seenot geratenen Schlauchboot in internationalen Gewässern vor der Küste Libyens. Weitere 335 Geflüchtete wurden von anderen Schiffen übernommen, die zuvor von Ihnen gerettet wurden. Darunter die spanische Nichtregierungsorganisation Pro Activa Open Arms. Ein weiteres Mal berichteten die Geretteten über die grausamen Misshandlungen, denen sie in Libyen ausgesetzt waren.

Der Nachrichtensender CNN hatte mit einem Video über den öffentlichen Verkauf von Geflüchteten in Libyen eine Welle der Empörung ausgelöst und neue Aufmerksamkeit für die schon lange bekannten Missstände in Libyen generiert

Die Aussagen Geretteter, die am Sonntag an Bord der Aquarius gesammelt wurden, zeugen einmal mehr von der extremen Gewalt gegenüber Migranten und Flüchtlingen in Libyen.

Ich würde lieber sterben, als ins Gefängnis zurückzukehren,“ sagte ein 25-jähriger Kameruner den SOS MEDITERRANEE-Teams. „Im Gefängnis in Libyen schoss eines Tages ein Wärter in die Luft und alle flohen, ich nicht. Ich lag auf dem Boden und der Wärter warf mir Steine ​​an den Kopf, bis ich blutete.“

Ich habe 2 Monate in Libyen verbracht. Wir waren Geister. Wir mussten uns ständig verstecken. Mehrere Male landeten wir im Gefängnis. Ein Mann aus der Gruppe, mit der ich aus Guinea kam, wurde für 700 Dollar verkauft„, sagte eine Frau aus Guinea.

Wir haben alles getan, um zu entkommen, wir haben ein Loch in die Toilette gegraben, um zu fliehen, (…) ich hatte es noch nie zuvor einen Versuch gewagt, zu entkommen, aber ich hatte vor nichts mehr Angst, ich war schon tot,“ berichtete ein 25-jährige Kameruner weiter.

SOS MEDITERRANEE  verurteilt die inakzeptable Realität im Mittelmeer, die gegen europäische Grundwerte verstößt. Oberste Priorität ist es, diejenigen zu retten, die weiterhin über das Mittelmeer fliehen und sie an einen sicheren Ort zu bringen, an dem ihnen Schutz gewährt wird und ihre fundamentalen Menschenrechte respektiert werden.

„In Ermangelung einer angemessenen europäischen institutionellen Reaktion die andauernde humanitäre Krise vor der Küste Libyens zu bewältigen, wird die Aquarius ihren Rettungseinsatz den ganzen Winter über ununterbrochen fortsetzen,“ kommentierte Sophie Beau, Vizepräsidentin von SOS MEDITERRANEE.

Foto: Grazia Bucca / SOS MEDITERRANEE

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