Rettungseinsatz bei Nacht im Mittelmeer 2016

SOS MEDITERRANEE DEUTSCHLAND wird mit einem eigenen Rettungsschiff eigene Wege gehen

Pressemitteilung
Berlin, 23.11.2021


Der deutsche Verein des europäischen, zivilen Seenotrettungs-Verbundes SOS MEDITERRANEE INTERNATIONAL wird den Verbund zum Ende des Jahres 2021 verlassen, um ein neues, eigenes Rettungsschiff aufs Mittelmeer zu bringen. Der in Berlin ansässige Verein kündigt an, mit dem aus Deutschland finanzierten und betriebenen schnellen Schiff für die zivile Rettungsflotte ab Mitte 2022 mehr Menschen retten und seine politische Arbeit verstärken zu wollen.

„Nur zwei Rettungsschiffe, u.a. die von dem europäischen Netzwerk SOS MEDITERRANEE INTERNATIONAL gecharterte Ocean Viking, mussten Anfang November mehr als 1.100 Schiffbrüchige aufnehmen, die sie zuvor aus Seenot gerettet hatten. Die Situation hat erneut gezeigt, dass im Mittelmeer dringend mehr Schiffe gebraucht werden“, sagt die Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE DEUTSCHLAND, Verena Papke. „Es ist an der Zeit wieder alle Kräfte zu bündeln, um ein neues, schnelles Rettungsschiff durch Spenden aus der Zivilgesellschaft zu finanzieren und für den lebensrettenden Einsatz im zentralen Mittelmeer auszurüsten. Um dieses Anliegen zu verwirklichen, wird sich SOS MEDITERRANEE DEUTSCHLAND zu Beginn des neuen Jahres aus dem Verbund von SOS MEDITERRANEE INTERNATIONAL lösen und ein neues, eigenes Rettungsschiff vom Typ Fast Support and Intervention Vessel für die Seenotrettung aufs Mittelmeer bringen. Es wird ideal an die aktuellen Bedingungen im Mittelmeer angepasst und planmäßig ab Mitte 2022 im Rettungseinsatz sein.“ Im Mittelmeer sind nach UN-Angaben (IOM) dieses Jahr schon über 1.500 Menschen auf der Flucht ertrunken, im Schnitt sind das fünf Menschen am Tag. Damit ist das Mittelmeer eine der tödlichsten Fluchtrouten der Welt.

Neben dem neuen Schiff will SOS MEDITERRANEE DEUTSCHLAND auch die Berichterstattung über die Menschenrechtsverletzungen auf dem Mittelmeer ausbauen: „Das europäische Netzwerk SOS MEDITERRANEE INTERNATIONAL hat bis heute 34.517 Menschen aus Seenot gerettet“, erklärt Verena Papke. „Neben dem Retten ist auch das Bezeugen der Missstände auf dem Mittelmeer ein wichtiger Teil unseres Einsatzes. SOS MEDITERRANEE DEUTSCHLAND will verstärkt über die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer aufklären und die Verantwortlichen benennen. Denn die Menschen werden nicht nur auf See gerettet, sondern auch durch politische Entscheidungen an Land.”

Sechs Jahre Erfahrung für den Betrieb des neuen Schiffs

Um das neue Schiff für das Mittelmeer effizient und zügig realisieren zu können, wird sich der deutsche Verein vom europäischen Verbund SOS MEDITERRANEE INTERNATIONAL zu Beginn des Jahres 2022 trennen und als unabhängige zivile Seenotrettungsorganisation arbeiten. „Mit unserem neuen Schiff knüpfen wir an unsere Expertise und die Erfahrung aus sechs Jahren Rettungseinsatz sowie Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit an“, erklärt Till Rummenhohl, Projektleiter für die Umsetzung des neuen Schiffs. „Eine breit aufgestellte zivile Rettungsflotte und große Diversität an Organisationen stellt unseres Erachtens am ehesten sicher, dass trotz der zahlreichen Blockierungen von Rettungsschiffen durch europäische Behörden Schiffe vor Ort im Einsatz sind.“ Anders als die seit 2019 vom europäischen Verbund SOS MEDITERRANEE INTERNATIONAL gecharterte Ocean Viking und zuvor die Aquarius wird das neue Schiff vom deutschen Verein gekauft und mit einer neuen operativen Abteilung betrieben werden.

SOS MEDITERRANEE-Gründer Klaus Vogel, dem im Juli 2021 für seine Verdienste in der zivilen Seenotrettung das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen wurde, unterstützt das Vorhaben: „Dass Menschen wissentlich dem Ertrinken überlassen werden, dürfen wir niemals akzeptieren. Menschen in Seenot zu retten ist eine Pflicht, die in der maritimen Tradition fest verankert ist – und der Europa im Mittelmeer nicht nachkommt. SOS MEDITERRANEE DEUTSCHLAND geht nun eigene Wege und finanziert und betreibt das neue Schiff eigenständig. Die Organisation ist mit der jahrelangen Erfahrung dafür bestens aufgestellt. Ich begrüße diesen Schritt und unterstütze das Projekt von ganzem Herzen.“

Pressekontakt:
Petra Krischok | presse@sosmediterranee.de | +49 (0)176 5525 0654

Fotonachweis: Kevin McElvaney / SOS MEDITERRANEE Deutschland, 2016