SOS MEDITERRANEE rettet im Mittelmeer 158 Menschen aus einem überfüllten Schlauchboot

Pressemitteilung                                                                                                       Berlin, 01. Juni 2018

Erneut wurde die Aquarius, das gemeinsam von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen im Mittelmeer betriebene Rettungsschiff, von den italienischen Behörden dazu angewiesen mit 158 geretteten Flüchtlingen nach Italien zurückzukehren – obwohl die Aquarius momentan das einzige zivile Rettungsschiff im Mittelmeer ist.

Die Crew der Aquarius hat am Donnerstag in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste 158 Flüchtende von einem Schlauchboot gerettet. Das Rettungsteam von SOS MEDITERRANEE entdeckte das Schlauchboot am Donnerstagmorgen 25 Seemeilen nördlich von Al Khoms, im Osten von Tripolis. Die Aquarius informierte umgehend die italienische Seenotleitstelle (IMRCC) und erhielt die Anweisung, die Rettung zu übernehmen.

158 Menschen, unter ihnen 44 Minderjährige, wurden sicher geborgen und in die Obhut des medizinischen Personals von MSF an Bord der Aquarius übergeben. Obwohl die meisten von ihnen Zeichen von Erschöpfung, Dehydrierung und Hautverbrennungen aufwiesen – direkte Konsequenzen ihrer gefährlichen Flucht über das Mittelmeer –, gab es unter den Geretteten keine medizinischen Notfälle. Laut der SOS MEDITERRANEE-Rettungsteammitglieder wurde die Mehrheit der Geretteten in Libyen Opfer von Gewalt, Misshandlungen, willkürlichen Verhaftungen und Erpressung.

Am Donnerstagabend wurde die Aquarius durch die italienischen Behörden angewiesen, die geretteten Menschen nach Pozzallo im Süden Siziliens zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Aquarius noch nicht ihre volle Aufnahmekapazität erreicht. Sie kann mehr als 500 Menschen für zwei bis vier Tage aufnehmen und ist momentan das einzige zivile Rettungsfahrzeug vor der libyschen Küste.

„Wir mussten die Such- und Rettungszone verlassen und sind ernsthaft besorgt, dass aufgrund der guten Wetterbedingungen mehr Boote von der libyschen Küste losfahren und in Seenot geraten könnten. Wir waren gestern und heute das einzige NGO-Schiff in dem Gebiet. Ohne uns können diese Boote vielleicht nicht rechtzeitig entdeckt und gerettet werden“, sagte Loic Glavany, Such- und Rettungskoordinator von SOS MEDITERRANEE an Bord der Aquarius.  „Dies könnte in Tragödien enden, von denen wir womöglich niemals erfahren werden und die komplett vermeidbar sind.“

Erst vor einer Woche erhielt die Aquarius von den italienischen Behörden ähnliche Anweisungen. Nachdem sie 69 Menschen von einem italienischen Marineschiff übernommen hatte, musste sie ungeachtet der guten Wetterbedingungen nach Italien zurückkehren.

„Das Schlauchboot, das wir gestern gerettet haben, war gefährlich überfüllt. Das ist ein klares Zeichen der anhaltenden humanitären Krise und Instabilität in Libyen, die die Menschen zur Flucht über das Mittelmeer zwingt – eine Realität, die Europa nicht länger ignorieren kann“, sagte Sophie Beau, Mitgründerin und Vizepräsidentin des internationalen SOS MEDITERRANEE-Netzwerks.

Mit der Bitte um Veröffentlichung.

Pressekontakt: Jana Ciernioch, j.ciernioch@sosmediterranee.org