[Statement] SOS MEDITERRANEE reicht nach gewaltsamem Angriff auf französische Geschäftsstelle Klage ein

Nach dem gewaltsamen Angriff auf die französische Geschäftsstelle von SOS MEDITERRANEE in Marseille hat die Organisation in einer Pressekonferenz gestern bekannt gegeben, dass sie gegen die 22 Personen Anklage erheben wird, die am Freitag, den 5. Oktober, das Büro gestürmt haben.

Was ist passiert?

Am Freitag, den 5. Oktober 2018, stürmten gegen 14 Uhr 22 Personen gewaltsam das Büro von SOS MEDITERRANEE in Marseille. Drei Mitarbeitende, die aus dem Büro gezwungen wurden, konnten die Polizei rufen, während vier weitere Mitarbeitende im Inneren festsaßen. Die Eindringlinge entfalteten am Bürofenster ein Banner, entzündeten Leuchtfeuer und filmten die Szene. Während die Polizei vor Ort eintraf, wurden drei Mitarbeitende im Büro weiter gewaltsam festgehalten. Die 22 Angreifer wurden schließlich festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen.

Juristische Maßnahmen

SOS MEDITERRANEE Frankreich hat gegen die 22 Angreifer inzwischen Anzeige erstattet, u.a. wegen Freiheitsberaubung und der Verbreitung von Gewaltbildern. Ein Team aus Rechtsanwält*innen der Anwaltskammern Paris und Marseille vertritt SOS MEDITERRANEE Frankreich und seine Mitarbeitenden vor Gericht.

Einschüchterungsversuchen entgegnen

Bislang hatte sich SOS MEDITERRANEE dazu entschieden, nicht auf die verschiedenen Provokationen, Einschüchterungsversuche und Diffamierungen durch extremistische Gruppen zu reagieren. Der einzige Zweck dieser Gruppen besteht darin, die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen wie der anhaltenden humanitären Krise im Mittelmeer, dem Versäumnis der europäischen Staaten, auf diese humanitäre Katastrophe zu reagieren, und die weitreichenden Menschenrechtsverletzungen in Libyen abzulenken. Aber die Schwere des Vorfalls haben uns dazu veranlasst, juristische Schritte einzuleiten.

Trotz der Angriffe: Wir müssen unseren Rettungseinsatz so schnell wie möglich wiederaufnehmen

SOS MEDITERRANEE hat stets alle geltenden Gesetze eingehalten, sowohl an Land als auch auf See. Unsere Mission ist einfach: Menschen in Not zu retten und sie, wie vom internationalen Seerecht vorgeschrieben, in einem sicheren und nahegelegenen Hafen an Land zu bringen. Die Behinderung und Kriminalisierung unserer Arbeit muss aufhören: Die humanitäre Notlage im Mittelmeer ist nach wie vor ungelöst. Es ist an der Zeit, dass das Retten von Menschenleben Vorrang, vor jeglichen politischen oder ideologischen Erwägungen, hat. Mehr denn je sind die Menschen in Europa dazu aufgerufen, sich gemeinsam mit uns zu mobilisieren, das Grundrecht auf Leben zu verteidigen und uns zu helfen, unsere lebensrettende Mission so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.