Um baldmöglichst ins Rettungsgebiet zurückkehren zu können, beendet SOS MEDITERRANEE den Einsatz mit der Aquarius

Der Entscheidung, den Chartervertrag mit der Aquarius zu beenden, ist eine Reihe von gezielten politischen Angriffen auf die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisation vorausgegangen. Bereits in den letzten Wochen musste die Aquarius im Hafen von Marseille ausharren. Nach Rettungseinsätzen wurde ihr auf politischen Druck hin zweimal die Flagge entzogen, zuerst von Gibraltar und dann von Panama. Erst vor kurzem ordneten die italienischen Behörden die Beschlagnahme des Schiffes an. Als Grund wurde die nicht ordnungsgemäße Trennung von Bordabfällen angeführt. „Wir haben den Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See erreicht. Dass wir jetzt dazu gezwungen sind, den Betrieb der Aquarius einzustellen, während europäische Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung, Menschen im Mittelmeer zu retten, nicht gerecht werden, ist ein Armutszeugnis für Europa. Dass Leben retten im Mittelmeer unmöglich gemacht werden soll, verdeutlich das Scheitern Europas.“ sagt Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE Deutschland. Seitdem Rettungsschiffe im Mittelmeer an ihrem Einsatz gehindert werden, ist das Risiko auf der Flucht über das Mittelmeer zu sterben, weiter gestiegen. Allein in diesem Jahr sind 2.100 Menschen ertrunken. Weitaus mehr wurden von der EU-finanzierten libyschen Küstenwache in das Bürgerkriegsland Libyen zurückgebracht.

Trotz allem wird SOS MEDITERRANEE so bald wie möglich mit einem anderen Rettungsschiff auf See zurückkehren. Zusammen mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat die Organisation in den vergangenen 34 Monaten im Mittelmeer fast 30.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet.

Die Einstellung des Betriebs der Aquarius war eine äußerst schwierige Entscheidung, die es uns aber jetzt ermöglichen soll, unseren lebensrettenden Einsatz auf See so schnell wie möglich wieder aufzunehmen„, erklärt Frédéric Penard, Head of Operations von SOS MEDITERRANEE. „Wir weigern uns, an Land untätig dabei zuzusehen, wie Menschen weiterhin auf dem Mittelmeer sterben. Solange diese Menschen ihr Leben auf seeuntauglichen Booten riskieren müssen, wird SOS MEDITERRANEE da sein und der humanitären Tragödie im Mittelmeer mit allen verfügbaren Mitteln etwas entgegensetzen.

SOS MEDITERRANEE lotet bereits alle Möglichkeiten für ein neues Schiff aus und ist dabei auf die Initiative von mutigen Reedereien angewiesen, die bereit sind, ein Zeichen der Solidarität mit den zivilen Seenotretter*innen zu setzen. „Seit Beginn unserer Mission im Februar 2016 ist unsere Arbeit nur dank der enormen Unterstützung durch die europäische Zivilgesellschaft möglich„, sagt Sophie Beau, Mitbegründerin und Vizepräsidentin des internationalen Netzwerks von SOS MEDITERRANEE „Leben auf See zu retten ist und bleibt unsere Mission. Mehr denn je brauchen wir bei den laufenden Bemühungen um ein neues Schiff jede mögliche Unterstützung„.

 

Mehr Informationen folgen auf der morgigen Pressekonferenz um 10:30 Uhr in Paris.