Zusammenarbeit ziviler Seenotretter*innen verhindert weitere Tote im Mittelmeer

Am Samstag, den 10. März, hat die europäische Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE im Mittelmeer 110 Menschen von einem sinkenden Schlauchboot gerettet und weitere 170 Flüchtlinge von anderen Schiffen übernommen. Nur dank der professionellen Koordination zwischen den zivilen Seenotretter*innen konnten 270 Menschen in Sicherheit gebracht werden. An den Einsätzen waren neben SOS MEDITERRANEE und einem italienischen Handelsschiff NGOs wie Proactiva Open Arms und das Aufklärungsflugzeug von Sea Watch beteiligt.

 

Gefährlicher Einsatz

Am Samstagmorgen erhielt die Aquarius, das gemeinsam von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen betriebene Rettungsschiff, durch die italienische Seennotleitstelle in Rom mehrere Notrufe zu in Seenot geratenen Booten. Auf einem der Schlauchboote spielten sich den Geretteten zufolge vor dem Eintreffen von SOS MEDITERRANEE dramatische Szenen ab. Ein Fischerboot, das sich in der Nähe aufhielt, wurde von den Flüchtenden fälschlicherweise für die libysche Küstenwache gehalten. Diese hat in den letzten Monaten immer wieder Flüchtende auf hoher See abgefangen und gegen ihren Willen zurück nach Libyen gebracht. In einem verzweifelten Versuch, dem zu entkommen, sprangen mehrere Menschen in Panik ins Wasser. Ein junger Palästinenser, der nur knapp dem Tod entkommen war, berichtete später an Bord der Aquarius: „Als wir das Fischerboot sahen, wurden die Leute panisch, weil sie dachten, es sei ein libysches Boot. Sie haben lieber das Risiko auf sich genommen, zu ertrinken, als nach Libyen zurückgebracht zu werden.“

Alle 110 Menschen konnten sicher auf die Aquarius gebracht werden. Seenotrettungsorganisationen wie SOS MEDITERRANEE haben in den vergangenen Monaten wiederholt das gefährliche und rechtswidrige Verhalten der libyschen Küstenwache in internationalen Gewässern beobachtet (siehe vergangene Pressemitteilungen vom 05.03.21.02. und 28.01.)

Am Samstagabend hat die Aquarius weitere 170 Menschen an Bord genommen. Sie waren von dem italienischen Handelsschiff Asso Trenta nahe des Bouri Ölfelds, sowie von der spanischen NGO Proactiva Open Arms gerettet worden. Auch die deutsche NGO Sea Watch war mit ihrem Aufklärungsflugzeug Moonbird an den beiden Einsätzen beteiligt.

Überlebende beschreiben die Hölle Libyens

Die 280 Überlebenden kommen aus mehr als 20 Ländern aus West- und Nordafrika, sowie dem Nahen Osten. Laut Ärzte ohne Grenzen wurden unter ihnen einige Opfer von Folter und Menschenhandel identifiziert.  Ein junger Mann von den Komoren berichtete SOS MEDITERRANEE an Bord der Aquarius, dass er in Libyen zwei Jahre lang ausgebeutet worden war. Seinen Angaben zufolge hatte sein Arbeitgeber ihm keinen Lohn gezahlt und seinen Reisepass einbehalten: „Ich weiß, dass es überall auf der Welt Probleme gibt, aber in Europa gibt es wenigstens Menschrechte, anders als in Libyen,“ sagte er. „Mein Chef hat noch immer meinen Reisepass.“

Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE Deutschland erklärte: „Um ein Haar wären am Wochenende wieder Menschen im Mittelmeer ertrunken. Das schnelle und professionelle Eingreifen von uns und unseren  Kolleg*innen hat das verhindert. Libyen ist für Flüchtende nach wie vor die Hölle, deswegen setzen sie ihr Leben aufs Spiel und flüchten über das Mittelmeer.

Photo Credits: Hara Kaminara


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Jana Ciernioch, SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V.,
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