Johannes ist Mitglied in der Freiwilligengruppe Berlin

„Selbst für einen guten Schwimmer wie mich, kann das Meer manchmal beängstigend sein.“ – Johannes, Teil der Freiwilligengruppe Berlin, über sein Engagement für SOS MEDITERRANEE

„Dass Menschen ertrinken, ist für mich das Allerschlimmste, was ich mir vorstellen kann.“

Vor einigen Wochen ist Johannes mit anderen ehrenamtlichen Helfer*innen nach Marseille gefahren, um die Ocean Viking während eines Zwischenstopps im Hafen zu besuchen.

In Berlin ist man weit weg von dem Schiff und vom Mittelmeer. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die unterschiedlichen Teams und Freiwillige aus vier Ländern zusammenarbeiten! Wir alle haben dieselbe Leidenschaft, dasselbe Ziel, und trotz aller Unterschiede, ob Ehrenamtliche oder Seeleute, ob aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz oder Italien, sind wir einander durch unser Engagement sehr nah.“

Für den jungen Politikwissenschaftler hat die Begegnung mit den Seeleuten, den Rettungsteams und anderen Freiwilligen seine Verbindung zum Verein und zu dessen Werten noch verstärkt: „Mir gefällt die Herangehensweise, bei der mehrere Länder zusammenarbeiten, für eine gemeinsame Sache, die ganz Europa betrifft.“

Die Hand reichen: die natürlichste Geste der Welt

Sein Engagement hat mehrere Gründe. Johannes, selbst ein guter Schwimmer, hat lange Zeit Kindern Schwimmkurse gegeben und als Rettungsschwimmer in einem städtischen Schwimmbad gearbeitet. „Ich schwimme seit meiner frühesten Kindheit, und die Vorstellung, dass Menschen ertrinken, ist für mich das Allerschlimmste, was ich mir vorstellen kann. Der Gedanke, dass sie auf diesen kleinen Plastikdingern aufs Mittelmeer hinausfahren, ist unerträglich.“

Johannes verbrachte einen Sommer auf einer griechischen Insel, wo er Geflüchteten, die unter Lebensgefahr das Mittelmeer überquert hatten, Schwimmen beibrachte. „Selbst für einen guten Schwimmer wie mich kann das Meer manchmal beängstigend sein: da muss man sich nur mal vorstellen, wie das für Menschen ist, die nicht schwimmen können – ein Horror!“

Beruflich hilft der Politikwissenschaftler Geflüchteten dabei, Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Er hört jeden Tag die schmerzlichen Geschichten von der Flucht, er kennt unterschiedliche Lebenssituation und viele der Probleme der Menschen. „Es macht mich ungeheuer traurig, dass viele Menschen es nicht bis nach Europa schaffen, weil sie ertrinken! Deshalb engagiere ich mich in meiner Freizeit für SOS MEDITERRANEE.“

Johannes übernimmt zahlreiche Aufgaben für das Berliner Büro von SOS MEDITERRANEE: Er organisiert Stände auf Festivals, greift bei Benefizkonzerten und Debatten zum Mikrofon, um über die Situation auf dem Mittelmeer aufzuklären, und führt Informationskampagnen für verschiedenen Zielgruppen durch.

Ich mag den Gedankenaustausch – man begegnet vielen Menschen, die unsere Ziele unterstützen, die vielleicht schon mal Geld gespendet haben und sich darüber hinaus engagieren möchten. Das motiviert mich!“ Der junge Berliner will den Menschen vor allem Folgendes vermitteln: „Wir reichen einfach nur einem Menschen, der zu ertrinken droht, die Hand – nicht mehr und nicht weniger. Das ist die natürlichste Geste der Welt. Da kann doch niemand was dagegen haben!“

Zivilgesellschaftliches Engagement, Solidarität und Vielfalt

Was Johannes an seiner „Arbeit“ als Freiwilliger besonders gefällt, ist das Miteinander verschiedener Menschen. „Die Leute, die sich engagieren, kommen aus allen sozialen Schichten und den verschiedensten Berufen. Das ist eine große Bereicherung! Unsere Ziele haben hier in Deutschland übrigens einen starken Rückhalt in der Bevölkerung. In vielen Städten hat es Demos zur Unterstützung der Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer gegeben. SOS MEDITERRANEE beteiligt sich natürlich an diesen Aktionen. Auf den Demos fordern die Menschen ein Ende der Kriminalisierung von Seenotrettungs-NGOs, eine Aufstockung der EU-Mittel zur Auffindung und Rettung von Schiffbrüchigen sowie eine Öffnung der Häfen für die Rettungsschiffe.

Die Menschen steigen nicht in ein kleines Plastikboot, weil irgendwo da draußen auf dem Meer ein Rettungsschiff unterwegs ist! Sie steigen in diese Boote, weil sie der Hölle entfliehen wollen. Es ist die grauenhafte Situation in Libyen, die sie dazu treibt, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, egal, ob da jemand auf dem Meer ist oder nicht. Wir sind nur dazu da, um zu verhindern, dass Menschen ertrinken.“

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Du willst dich auch ehrenamtlich bei SOS MEDITERRANEE für die Seenotrettung engagieren? Dann schau mal auf unsere Mitmachen-Seite vorbei. Dort findest du weitere Infos zur Arbeit unserer Freiwilligengruppen.

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Photo credits: privat