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In eigenen Worten

„Ich habe sechs Monate im Gefängnis verbracht, ohne genug zu essen, ohne Medizin“

Zeugnis von Seif*


Seif, 16, aus Somalia, verließ seine Familie mit 12. Mithilfe eines Übersetzers erklärt er, dass er die Reise mit Freunden antreten wollte, er jedoch der Einzige war, der übrig blieb. Drei Wochen lang reiste er durch Äthiopien und den Sudan, um Libyen zu erreichen. Für einige Zeit arbeitete er auf einer Farm, wurde jedoch festgenommen und verbrachte sechs Monate in einem Gefängnis. „Menschen von der Regierung haben uns an einem Checkpoint festgenommen. Sie nahmen alle Schwarzen fest, die an ihnen vorbeikamen. Sie nahmen mir meinen Reisepass und alle weiteren Papiere weg. Ich habe sechs Monate im Gefängnis verbracht, ohne genug zu essen, ohne Medizin, es war wie ein schlechter Traum.“ Er besteht jedoch darauf, dass es „nur sechs Monate waren“.

Schwerkrank musste er kurz nach seiner Ankunft auf der Aquarius in Quarantäne. „Ich bin seit etwa anderthalb Jahren krank. Im Gefängnis arbeitete ich nicht. Sie schlugen mich, damit ich ihnen Geld gab. Mein Onkel half mir, das Geld zu bezahlen. Sie erlaubten uns Somaliern und Äthiopiern nicht zu gehen, sie erpressten Geld von unseren Familien. In Libyen gibt es keine Freiheit. Ein alter Mann half mir dabei, dem Gefängnis zu entkommen. Er war ein guter Mann. Für ihn arbeitete ich drei Monate. Dann verschaffte er mir Kontakt zu den Schmugglern, den Leuten mit den Booten. So bin ich also hier gelandet.“

 

*Namen von der Redaktion geändert.
Protokoll: Ruby Pratka
Übersetzung: Lea Main-Klingst
Foto: Yann Merlin / SOS MEDITERRANEE