#50
In eigenen Worten

„Ich wurde mit einem Eisenrohr geschlagen und dann mit Gummi.“

Testimony vom 15.06.2018, an Bord der Aquarius

Ahmed*, 20, aus dem Sudan

Ich wurde mit einem Eisenrohr geschlagen und dann mit Gummi, während die Männer mich filmten und auslachten. Sie filmten alles, um meine Familie zu Hause zu zwingen, Geld für meine Freiheit zu bezahlen. Sie hörten nicht auf, Videos und Fotos der täglichen Misshandlungen zu schicken, sondern forderten mehr und mehr Geld. Das alles geschah in einem Haus in Sabha, ungefähr vor einem Jahr.

Ich begann meine Reise in Al-Qatrun, in Libyen. Ich machte mich dorthin auf den Weg, um nach Arbeit zu suchen, doch als ich ankam, wurde ich von hellhäutigen Männern an andere Männer verkauft. Ich wurde für 1.000 libysche Dinar (umgerechnet ca. 620 Euro) verkauft. Der Mann, der mich gekauft hatte, fuhr fort mich zu schlagen, jeden Tag. Es gab kaum etwas zu essen, nur Salzwasser und Kekse, die er auf mich warf und ich aß sie vom Boden, wie ein Tier. Ich fragte immer nur nach Essen. Für alles, was ich fragte, wurde ich geschlagen. Ein Gefängnis wäre besser gewesen als das Haus dieses Mannes. Es war ein Loch. Ich habe dort so gelitten.

Einmal sah ich einen Mann, ein Freund meines Besitzers, er war betrunken. Er kam zu dem Haus, brachte andere schwarze Männer zu seinem Truck und erschoss sie. Nachdem sie gestorben waren, mussten ein Freund und ich die Körper aufheben und sie begraben. Ich musste so lange bei diesem Mann bleiben, bis ich eine Möglichkeit fand, mich freizukaufen. Letztendlich erreichte ich das Meer, nach sechs Monaten mit diesem schrecklichen Mann. Ich wusste um die Gefahren dieser Überfahrt. Was ich jedoch nicht wusste, war, dass man 3 bis 4 Tage bis nach Italien braucht. Uns wurde gesagt, dass es nur wenige Stunden dauern würde, bis wir in Freiheit wären. Ich hatte keine Vorstellung davon, dass der Weg so weit ist. Ich dachte, er wäre kurz: du setzt dich ins Boot, fährst für ein paar Stunden und siehst Land.

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*Name von der Redaktion geändert.
Foto & Interview: Kenny Karpov / SOS MEDITERRANEE