#51
In eigenen Worten

„Das Leben in Libyen ist kein Leben. Alle wenden sich zum Meer, das ist die einzige Möglichkeit zu leben.“

Testimony vom 14.08.2018, an Bord der Aquarius

Abdi und Hamza*, 16 und 17, aus Somalia

 

Wir sind zusammen gereist und haben die letzten drei Jahre in Libyen verbracht. Als wir 13 und 14 Jahre alt waren, wurde unser Heimatort in Somalia von einem Konflikt heimgesucht. Hamza musste mit ansehen, wie fünf seiner Brüder und sein Vater vor seinen Augen getötet wurden. Seine Mutter lebt noch, doch weiß er nicht, wo sie ist. Ich bin eines von acht Kindern, und auch ich musste zusehen, wie fünf meiner Brüder getötet wurden.

 

Nachdem wir beide mit ansehen mussten, wie unsere Familienmitglieder ermordet wurden, flohen wir auf einem Boot aus dem Sudan in den Jemen. Als wir dort ankamen, erwartete uns auch dort Krieg. Wir brauchten vier Monate, um den Jemen wieder verlassen zu können, kehrten übers Meer in den Sudan zurück und reisten von dort nach Libyen. Wir wurden für längere Zeit in Gefangenschaft gehalten.

 

Wir wurden beide gefoltert – wir wurden geschlagen und bekamen Elektroschocks. Unsere Körper sind mit Narben und Wunden übersät, und wir wurden um Geld erpresst. Nachdem zum vierten Mal Geld von uns gefordert wurde, sagten wir den Menschen, die uns festhielten, dass sie uns einfach töten sollten. Wir flehten diese bewaffneten Männer an, uns einfach umzubringen. Wir wollten, dass unser Leben vorbei ist. Erst in dem Moment wurden wir freigelassen.

 

Das Leben in Libyen ist kein Leben. Alle Menschen wenden sich zum Meer, das ist die einzige Möglichkeit zu leben.

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*Name von der Redaktion geändert.
Foto: Guglielmo Mangiapane / SOS MEDITERRANEE